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Intuition am 10.10.2026

Das Spiegelkabinett

Der Ausgangspunkt

Es gibt Lehrer und Meister auf der Welt, die davon sprachen, dass Materie in Wirklichkeit Energie ist. Dies ist der Ausgangspunkt für die nachfolgenden Betrachtungen.

Wir sind Energie – und davor sind wir Bewusstsein

Klar, wir sind Energie. Doch die Energie ist schon die zweite Ebene. Davor ist das Bewusstsein oder auch Gewahrsein, durch das diese Energie erscheint. Alles, was ich sehe, höre, fühle und für fest halte, ist das Erscheinungsbild von etwas Geistigem oder Energetischem auf eine gewisse Weise – so wie die Lichtquelle in einem Filmprojektor nicht der Film oder die Geschehnisse auf der Leinwand sind.

Es gibt nicht Milliarden getrennte Bewusstseine. Es gibt ein Bewusstsein, das sich aus Milliarden Blickwinkeln selbst erfährt. So wie es nur eine Lichtquelle gibt, die wir als Milliarden Lichtstrahlen erfahren können. So wie es scheint, dass jede Welle auf dem Meer ihren eigenen Weg hat – und doch ist keine Welle vom Meer getrennt. Der andere Mensch ist nicht ein anderer. Er ist ich, aus einer anderen Perspektive.

So ist Liebe in Allem kein Wunsch, sondern eine Beschreibung: Es gibt nichts außerhalb dieser Liebe. Alles ist darin geborgen und Zuhause.

Der innere Dialog

Wir beschäftigen uns fast nur mit dem äußeren Dialog – mit den schönen Stimmen in einem Lied, mit harmonischen Klängen, mit Menschen, die aggressiv mit uns reden, und mit Menschen, die liebevoll mit uns reden. Doch die Hauptkommunikation findet innen statt. Ich schätze, der innere Dialog macht siebzig, achtzig Prozent oder mehr von dem aus, was wir täglich hören.

Und mehr noch: Der innere Dialog ist der Filter für den Rest. Ein aggressiver Satz von außen wirkt nur, weil innen jemand antwortet. Der, der innen antwortet, bin aber meistens nicht ich. Es sind Stimmen aus meiner Vergangenheit und aus meiner Ahnenreihe – das Bild, das meine Großeltern von sich hatten, das sich über meine Eltern in mich gelegt hat, ohne dass ich es gemerkt habe.

Der Chor, der in einer Stimme spricht

Da ist kein Tonfall, den ich unterscheiden könnte. Die Stimme klingt immer gleich. Und doch ist es ein ganzer Chor in mir, der in einer Stimme spricht. Wenn mich außen jemand aggressiv angeht, kann ich wie mein Opa sehr aggressiv zurücksprechen. Oder ich bin, wie meine Oma, in Harmoniebedürftigkeit. Es ist nur eine Schwingung, die an mich kommt – und je nachdem, welcher Spiegel sie trifft, antwortet etwas anderes in mir.

Das Ich, für das ich mich halte, ist dieses Spiegelkabinett. Das Licht kommt einmal vom Westen, einmal vom Osten. Bin ich im Selbsturteil, weil ich gerade schlecht drauf bin, trifft es in einem anderen Winkel ein, als wenn ich im Selbstvertrauen bin. Und so antwortet jedes Mal ein anderer Spiegel.

Das klingt nach einer multiplen Persönlichkeit, die glaubt, eine zu sein. Der Unterschied ist nur, ob der Zuhörer durchgehend anwesend ist. Solange keiner der Spiegel die Dominanz übernimmt, bleiben nur die Reflexionen, die je nach meinem eigenen Winkel, Standpunkt und meiner Verfassung anders sein können.

Die feste Fassung

Der Großteil der Menschen steht in einer festen Fassung. Sie schauen immer im selben Winkel auf die Dinge, und deshalb antworten immer dieselben Spiegel. Das nennen wir dann Charakter. Es fühlt sich wie Wesen an, ist aber nur die Gewohnheit eines Blickwinkels. Und niemand stellt fest, dass dahinter ein Spiegelkabinett steht.

Die Spiegel kann ich nicht austauschen. Sie sind geerbt, erworben, angelernt und verankert. Doch den Einfallswinkel kann ich verändern. Genau das geschieht in der Hypnose: Nicht die Vorfahren oder ehemaligen Situationen werden verändert, sondern der Ort, an dem ich stehe, wenn das Licht hereinkommt.

Das Ich ist das Licht

Schon lange durfte ich erkennen, dass das Ich nur eine Illusion ist. Es gibt keinen Spiegel für das wirkliche Ich – da ist nur Licht. Ein Spiegelkabinett ohne Licht ist dunkel, da reflektiert nichts. Unser wahres Licht steht dahinter.

Dieses Gewahrsein, hier bezeichnet als Licht hinter den Spiegeln, hat keine Bedürfnisse. Es will selbst nichts, es fordert nichts, es sendet in keine Richtung eine Reflexion aus. Es nimmt einfach an. Es sendet nichts aus, weil es selbst das Licht ist, das sendet. Das Licht hat kein Bedürfnis nach Licht. Der Mangel sitzt immer nur in den Spiegeln – jeder Spiegel ist ein altes Bedürfnis, das einmal nicht erfüllt wurde und seither festhält.

Und weil das innere Licht als Gewahrsein so leise ist und keine Wünsche hat, finde ich es nicht, wenn ich nach einer Stimme oder einem Ausdruck suche.

Durchsichtig sein

In Ausnahmesituationen – bei Nahtoderfahrungen, bei sehr großen Ereignissen, die uns treffen – sinken die Spiegel ab. Dann bin ich einfach nur das Selbst, wie ein Blick durch das Fenster, ohne dass es einen Umzug geben muss. Die Spiegel sind durchsichtig. Durchsichtig heißt: Die Spiegel sind da, nur sie reflektieren nichts von außen.

Der geübte Weg ist somit: Die Spiegel werden durchsichtig. Das Licht fällt voll herein, es gibt nur nichts mehr, das es festhält. Ich sehe noch, ich fühle noch, ich antworte sogar noch – aber nichts bleibt kleben. Das Licht darf von allen Seiten kommen, und ich lasse es hindurch. Ich schenke ihm keine Reflexion und Reaktion mehr.

Ein Spiegel ist nichts anderes als Reflexion und Reaktion. Er hält den Strahl fest, dreht ihn und wirft ihn zurück – das ist Reaktion. Da ist Gleichmut: „Mag sein." Jeder Strahl bekommt dasselbe, nämlich keins. Nicht aus Kälte, sondern weil nichts mehr im Weg steht, das reflektieren könnte.

Der Heilige und der freie Mensch

Der Heilige hat alle Spiegel durchsichtig gemacht bis auf einen: den gegen das Unheilige. Dieser eine Spiegel ist noch massiv, und deshalb wirft er noch Schatten – Ablehnung. Der freie Mensch hat auch diesen Spiegel aus Glas, er reflektiert nichts mehr. Er ist gut, böse, schlecht, nicht – er hat alle Facetten und nimmt alles an. Annehmen ist dabei nicht moralisches Gutheißen. Es ist optisch: Es gibt keine Fläche mehr, die zurückschlägt. Gut und Böse gehen beide hindurch. Seine Befreitheit ist in letztendlichem Gleichmut befreit.

Glas, Silber und der schwarze Lack

Ein Spiegel ist nichts anderes als Glas. Warum reflektiert er? Weil hinten etwas aufgetragen ist. Ich dachte zuerst an eine schwarze Fläche – den Schatten aus der eigenen Vergangenheit und aus der Ahnenreihe, der sich hinter die Durchsichtigkeit legt. Doch bei einem echten Spiegel liegt hinter dem Glas kein Schwarz, sondern eine hauchdünne Silberschicht. Das Silber reflektiert. Der schwarze Lack kommt nur darüber, damit das Silber nicht anläuft.

Das heißt: Was in mir zurückwirft, ist nicht die Wunde. Es ist etwas einmal Kostbares, das sich um eine Wunde gelegt hat – der Opa, der aggressiv wurde, um zu überleben; die Oma, die Harmonie brauchte, um nicht verlassen zu werden. Der Schatten darüber ist nur der Lack, der das Silber vor der Welt versteckt.

Und das ist unser größtes Problem: Wir stehen hinter dem Spiegel. Wir sehen von innen nur den schwarzen Lack. Wir reflektieren, wissen aber nicht, woher die Aggression kommt, woher dieses Verhalten, diese Stimmung kommen. Wir würden es so gern loslassen – doch wir haben kein Gefühl, kein Gespür, keine Intuition dafür, was es ist. Warum bin ich so, warum esse ich so viel, warum verhalte ich mich so. Wir erkennen dahinter nur die Auswirkungen, aber nicht den Ursprung und den ehemals wertvollen Sinn daran.

Es bedarf keiner Heilung

Wenn wir einmal erkennen, woher die Dinge kommen, dann heilen sie. In dem Moment, in dem das Silber gewürdigt ist, sinkt der Lack ab, und der Spiegel wird durchsichtig. Nicht weil man das Schwarz abkratzt, sondern weil das Silber endlich seine Arbeit niederlegen darf. Darum ist es so wertvoll, das Silber oder die Entstehung wertzuschätzen – dass es früher vielleicht einmal sinnvoll und wichtig gewesen ist, vielleicht hat es unser Leben beschützt. Doch jetzt darf es absinken und beruhigt sein. Es darf den Weg freigeben, und Licht trifft Licht und nichts anderes mehr.

Da ist Einssein und Freiheit.

Warum das Denken nicht herankommt

Das, was den Lack auf der Silberschicht bildet, kann etwas Gehörtes, etwas Gesehenes, ein Nebensatz, eine Bewegung, eine Drehung weg gewesen sein. Etwas, das wir vielleicht nie bewusst erfahren haben und das doch in unserer Entwicklung konditioniert und verankert wurde. Es ist für uns in einer anderen Sprache abgelegt – als Körperzustand oder vielleicht als Gefühl, das wir nicht deuten können, vielleicht aufgenommen, bevor es für uns Worte gab. Mit unserem Denken erreichen wir diese Dinge oftmals gar nicht. Wir fühlen, spüren etwas, das unser Sein eingelagert hat, und kommen nicht dran.

Die Gesprächstherapie übersetzt tapfer vom Lack ins Denken. Das ist Arbeit an der Vorderseite. Wenn ich einen guten Therapeuten habe, versucht er, hinter das Glas zu kommen und das einst Schützende mit mir zu ergründen. Das kann lange dauern, und manchmal gelingt es nie.

Der Yager-Code

Genau da setzt der Yager-Code an. Das Zentrum steht nicht hinter dem Spiegel wie das Ich. Es steht dort, wo das Silber aufgedampft wurde. Es weiß, woher es kommt, ohne dass es mir bewusst sein muss. Es geht von hinten heran und löst das Silber und den Lack auf – in der Sprache, in der es abgelegt wurde.

Damit bleibt mein Satz wahr: Erkennen heilt von allein. Nur findet das Erkennen nicht im Bewusstsein statt, sondern im Zentrum, dem Überbewusstsein, das alle Reaktion durch unseren Körper ausführt. Das bewusste Ich bekommt oft erst Wochen später eine Ahnung, manchmal nie. Es ist der Grund, warum er funktioniert: Er verlangt vom Lack nicht, dass er sich selbst durchschaut.

Du musst nicht wissen, woher es kommt, damit es gehen kann. Hauptsache, Dein Zentrum, Dein Überbewusstsein, weiß, woher es kommt.

Die Tür und der Eisberg

Kabir hat einmal gesagt, frei formuliert: Wenn diese Tür nur einen Millimeter für einen Tausendstel einer Sekunde geöffnet ist, dann wird sie sich weiter öffnen. Nichts kann diese Öffnung mehr aufhalten. Das spricht mir Mut zu und gibt mir Kraft zum Warten, zum Ausharren.

Aus der Yager-Code-Therapie kenne ich den Eisberg: Wenn man ihn mit einem Schiff und einer Schnur drehen will, dreht er sich am Anfang ganz langsam, so langsam, dass es wie Stillstand aussieht. Doch wenn er einmal in die Drehung kommt, wird es schneller und schneller, und es ist nicht mehr aufhaltbar. Einmal gesehen, lässt sich nicht mehr ungesehen machen.

Was nicht unumkehrbar ist, ist die Geduld. In der Phase, in der sich noch nichts sichtbar dreht, ziehen die meisten die Schnur weg. Die Tür öffnet sich von allein. Der Mensch muss nur aufhören, sie aus Ungeduld wieder zuzudrücken.

Der Gradmesser

Beim Eisberg sehe ich im Verhältnis zum Umfeld, wie er sich bewegt. In mir fehlt dieser Gradmesser. Äußere Zeichen gibt es – Intuition, die mir eingegeben wird, Wunder, die ich erkenne, Menschen, denen ich helfen darf. Sie sind echt, aber sie kommen in Schüben, und das Ich sammelt sie gern als Beleg.

Der zuverlässige Gradmesser ist innen und leise: Etwas, das früher getroffen hat, trifft nicht mehr. Dieselbe Situation, derselbe Mensch, derselbe Satz – und es ist nichts mehr da, das zurückschlägt. Man bemerkt es meist erst hinterher, mit Verwunderung. Der Eisberg merkt die Drehung nicht am Ufer, sondern daran, dass das Wasser nicht mehr am Bug drückt.

Der eine freie Moment

Zwischen dem Lichteinfall und der Antwort des Spiegels gibt es einen winzigen Abstand. Bei den meisten Menschen ist er null – sie reagieren wie der Opa, bevor sie es merken. Hypnose und Meditation, die zu Achtsamkeit führt, machen nichts anderes, als diesen Abstand zu verlängern. So kommt zwischen dem Lichteinfall und der Spiegelung diese Millisekunde, die uns ein Erfahren möglich macht. So ist nicht die Ablehnung wichtig, sondern rein die Wahrnehmung. Zum Beispiel: „Ich werde ärgerlich." Oder: „Ich bin geschmeichelt."

Wunder sind dann keine Eingriffe von außen. Es sind Momente, in denen die Trennung der Lichter wegfällt und mein inneres Licht des Gewahrseins eins wird mit dem Licht, das von außen auf mich fällt. Dieses Einssein ist mühelos und ohne Absicht und Ziel. Es ist das Gewahrsein des Einen in Allem und zeigt uns die Liebe in Allem auf. So befreit ist „Mag sein" wunderbar möglich, und ich bin außerhalb von Körper und Gedanken. Ich bin die Energie selbst, die den Raum erfüllt.

„Welcher Weg sollte mir näher liegen, als zu erkennen, dass ich schon Zuhause bin. Das Licht war nie von mir getrennt – nur der Spiegel stand davor. So verweile ich Jetzt Hier, ein Licht im Zuhause. Die Spiegel sind erkannt und durchsichtig. Da ist nur Freiheit."

Guido